Sütterlin, Kurrent – kannst Du es noch lesen?

Wer auf dem Dachboden die Liebesbriefe seiner Großeltern, Feldpost oder das Rezeptbuch der alten Tante findet, kann sie oft gar nicht mehr lesen, denn sie sind in Sütterlin verfasst.

 

Alles Sütterlin?

Fälschlicherweise kursiert im Volksmund jegliche Deutsche Schreibschrift als Sütterlin, aber es gibt durchaus Unterschiede. Sütterlin war die Schulschrift von 1915 bis 1941. Erfunden hat sie Ludwig Sütterlin – übrigens ein Schwarzwälder 🙂 – im Auftrag des preußischen Kultusministeriums. Davor wurde Kurrentschrift geschrieben, doch mit ihren eleganten spitzen Formen erfordert schon eine gehörige Feinmotorik, und als Schulschrift verlangte sie den Kindern einfach zu viel ab. Die Formen der Sütterlin Schrift sind wesentlich runder und einfacher gestaltet.

Seite aus dem Poesiealbum meiner Omi

Sütterlinschrift

Rudolf Koch entwickelte dann 1927 die Offenbacher Schrift, die Schreibbarkeit mit Schönheit verband, sich aber an den Schulen nicht durchsetzen konnte und nur an einigen Schulen in Hessen (Koch lebte und wirkte vorwiegend in Hessen) in Gebrauch war. Von 1950 bis 1955 wurde sie in abgewandelter Form in Bayern als Zweitschrift unterrichtet.

Ich persönlich schreibe sie am allerliebsten.

Bild in Offenbacher Schrift

Sütterlinbild

Ab 1941 wurde die deutsche Schrift mit fadenscheinigen und falschen Begründungen (als „Judenlettern“ bezeichnet) aus den Lehrplänen der Schulen verbannt und gänzlich abgeschafft. Es durfte nur noch die lateinische Schreibschrift gelehrt werden.

Der eigentliche Grund für das Verbot war die Überlegung, dass für das Ausland bestimmte Schriften, die in Frakturschrift gedruckt waren, für jene besetzte Bevölkerungsgruppen, die ansonsten Antiqua-Schrift zu lesen gewohnt waren, nur schwer oder gar nicht lesbar waren.

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